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Infos für Radfahrer:
Mont Ventoux.

Textpassagen dieser Seite wurden auch in der freien Enzyklopädie Wikipedia verwendet.

Dem Mont Ventoux hat man einige Beinamen gegeben. Wenn der Ursprung von Ventoux tatsächlich der stürmische Wind ist, dem man am Gipfel ständig ausgesetzt ist, halte ich diesen Namen für den besten. Alle anderen Versuche, die Eigenart des Berges kurz und bündig zu beschreiben, scheitern an der Verschiedenheit der Landschafts- und Vegetationsformen, auf die man hier trifft.

Die Unterscheidung des vergleichsweise sanften Südhangs vom steilen Balcon Nord wurde mir bereits vor meinem ersten Besuch durch die Reiseliteratur nahegelegt. Ob ich genug Text für zwei Seiten zusammenbringe, weiß ich nicht, aber die Wanderungen im Süden hinterlassen jedenfalls ein völlig anderes Gefühl als am Nordhang.

lemontventoux.net

Den meisten Menschen hierzulande ist der Ventoux, -wenn überhaupt-, nur durch die Fernsehübertragungen der Tour de France ein Begriff. Der nebenstehende Link wendet sich ebenfalls hauptsächlich an Radfahrer.

Der Insektenforscher und Botaniker Jean-Henri Fabre (siehe Orange ) besuchte sehr oft den Mont Ventoux. Er fand hier ein ideales Freiland-Forschungslabor quasi vor seiner Haustür, denn der Berg vereinigt an seinen Hängen alle Klima- und Vegetationszonen Europas, vom Mittelmeer bis Lapland.

Durch seinen Bericht einer Erstbesteigung im Jahre 1336 wurde Francesco Petrarca zum offiziell ersten Alpinisten (inzwischen muss die Authentizität des Berichts leider angezweifelt werden). Ihm folgten zahlreiche Nachahmer, darunter auch der Dichter Frédéric Mistral. Seit ihm gilt die Besteigung vor Morgengrauen als die richtige Weise, sich dem Berg zu nähern-, comme il faut.

Ich war immer zu lasch, um mich im Dunkeln oder gar am Vorabend des eigentlichen Aufstiegs mit dem Schlafsack auf den Weg zu machen. Darum blieb mir auch der Anblick des gigantischen Ventoux-Schattens in der westlichen Ebene bisher leider verwehrt...

Foto

Der Ventoux, von den Dentelles de Montmirail aus gesehen. So drängt sich nach der einen Tour schon die nächste auf.

Anfahrt und Lage

Der Mont Ventoux ist allgegenwärtig, wenn man sich in der Vaucluse nördlich des Luberon aufhält. Es gibt zwei prinzipielle Stoßrichtungen für Wanderungen zum Gipfel. Die Nordseite erreicht man am besten über Malaucène. Von L'Isle sur la Sorgue aus liegt der Ort ca. doppelt so weit entfernt wie Carpentras im Norden, südöstlich von Vaison La Romaine.

Provence Web:
Malaucène
Chalet Reynard:
offizielle Homepage

Zum Gipfel kam ich beim ersten Mal von Süd-Osten her. Da habe ich am Chalet Reynard geparkt (auf ca. 1.400 m Höhe).

Beide Strecken werden auch andauernd von Radfahrern genutzt, die die schier unglaubliche Tortur auf sich nehmen, von Malaucène, Sault oder gar Bédoin (300m) aus zum Gipfel aufzubrechen. Für den völlig ausgebrannten Spaziergänger ist das deprimierendste, wenn diese Leute den Gipfel auch noch munter, vergnügt und keinesfalls ausgelaugt erreichen. Hinterher stürzen Sie sich dann wieder die Serpentinenstraße hinab...

Balcon Nord hoch

Natürlich breche ich nicht aus Malaucène zum Aufstieg auf. Laut der Radfahrerseite auf lemontventoux.net werden von dort aus bis zum Gipfel noch 1.535 Höhenmeter gemessen, und ich bin weder Lance Armstrong noch Louis Trenker.

Nein-, als der Tourist, der ich hier immer bleiben werde, fahre ich brav mit dem Auto bis zur Skistation Mont Serein auf 1.428 Meter hinauf (der Gipfel liegt bei 1.912 Metern). Die Tour, die man am Balcon Nord unternimmt, geht unterhalb des Kamms entlang und die Strecke lässt sich auch variieren. Mit dem abschließenden Gipfelspurt kann man sich belohnen... solange der Betonklotz und die Masse von Autos und Motorrädern dort oben nicht stören.
Der Vorzug dieser Wanderung gegenüber der Südseite des Berges besteht eben darin, dass man den Gipfel erst kurz vor Schluss sieht. Naja, ein bisschen mehr ist schon drin. Und man muss auch nach ganz oben, wenn man die totale Rundumsicht erleben möchte.

IGN-Karten 1:25 000

Die Wanderkarte, die man mitnehmen sollte, ist die 3140ET aus der Série Bleue des IGN. Ein Kompass ist nicht nötig, kann aber beruhigend wirken und bei der Identifizierung entfernter Landmarken helfen.

Normalerweise informiere ich mich vor einer Wanderung aus einem gedruckten Führer über den Verlauf und die zu erwartenden Schwierigkeiten. Am Mont Ventoux läuft man am einfachsten auf einem der beiden sentiers de grande randonnées, GR4 oder GR9.

Man findet den GR9 schnell im Osten der Skistation Mont Serein und folgt ihm am besten stur in Richtung Col de la Frache (Richtung Ost-Süd-Osten (korrigiert, sorry)). Diese Wanderwege sind ausgezeichnet markiert. Man kann sich nicht verlaufen. Unterwegs bieten sich Möglichkeiten, nach rechts abzubiegen, um den oberhalb gelegenen Bergkamm zu erreichen oder schon kurz nach dem Start über den abzweigenden GR4 direkt zum Gipfel aufzusteigen.

Foto Foto

Man liest, dass es auf dem Ventoux bis in den Mai hinein schneien kann. Nach der Wärme des Flachlands hat mich der winterliche Wald trotzdem überrascht. Abends trank ich mein Bier wieder im Hemd, draußen in der Sonne.

Erst einmal auf dem GR9 zu bleiben, lohnt sich aber mehr. Man dringt zunächst in den Pinienwald ein, und findet vereinzelte Vertreter des uralten, ursprünglichen Baumbestands.
Dann überquert man nacheinander einige Steilrippen, in denen nichts als Kalkschotter liegt. Hier ist der Weg ein bisschen gefährlich, denn der Pfad durch die Steine ist nicht sehr breit. Wenn dazu noch im Frühjahr einige Schneereste den Weg unkenntlich machen, sollte man das Risiko lieber meiden.

Auf dem Rückweg von dieser Wanderung sind mir Leute in Sandalen mit Kind und Kleinsthund begegnet. Vielleicht bin ich ja wirklich ein Angsthase. Ich konnte in der Mitte dieser Steilrippe kein Foto der Landschaft darunter aufnehmen. Mit dem Apparat herumzuhantieren, wo es keinen festen Boden gibt, fällt mir einfach schwer (außerdem waren sowieso ständig die Akkus leer).

Foto Foto

Entweder man kehrt also auf dem gleichen Weg um und nimmt schließlich den serpentinenreichen GR4 zum Gipfel, oder man biegt nach rechts Richtung Tête de la Grave ab, um den langgestreckten Kamm zu erreichen.
Wählt man den Rückweg über den Bergkamm, hat man allerdings die ganze Zeit die Gebäude der Wetterstation auf dem Gipfel vor Augen. Für die Orientierung ist das zwar nicht schlecht, aber der Anblick an sich ist eher unästhetisch.

Man sollte sich für den Tag dieser Wanderung nichts anderes vornehmen. Sie ist anstrengend, will aber auch genossen werden. Unterwegs bieten sich Möglichkeiten zur Rast, bei herrlichen Ausblicken zu den Alpen und den näher gelegenen Hügeln.

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Um diese Jahreszeit genügten die einfachen Trecking-Schuhe nicht mehr. Der Schnee lag auf dem GR4 in Richtung Gipfel stellenweise einen halben Meter hoch, doch der Pfad war mäßig gut zu erkennen. Die Strecke ist serpentinenreich und ziemlich lang. Man muss darauf achten, dass die Kleidung möglichst trocken bleibt, denn ganz oben weht ein schneidend kalter Wind. Ein zweites Paar Socken wäre schön gewesen...

Und das sind die Alpen.

Südseite hoch

Provence Web:
Karte (oberer Teil)
Bédoin
Sault

Das Chalet Reynard erreicht man von Osten aus über Sault oder aus Bédoin im Süden über direkte Straßen. Wer nicht zu Fuß gehen möchte, kann einfach weiterfahren bis zum Gipfel und braucht sich dort im Getümmel geparkter Autos auch gar nicht zu schämen.

Die Wanderstrecke wurde im exzellenten Büchlein Mes 52 plus belles balades en Provence von Jean-Pierre Pomarel beschrieben. Leider musste ich an anderen Orten feststellen, dass gedruckte Wanderführer schnell altern. Diese Ausgabe von 1993 ist für viele darin beschriebene Wanderungen einfach nicht mehr zu gebrauchen, weil die Wegmarkierungen sich geändert haben oder die Natur einige der interessanten Stellen unzugänglich gemacht hat.

Für den Ventoux gilt das zum Glück nicht. Die Tour beginnt mit einem steilen Aufstieg zum Bergkamm. Den sollte man langsam und aufmerksam begehen, denn danach wird es bis zum Gipfel sportlich aber.., nun ja-, etwas eintönig.

Bei Erreichen des Kamms bietet sich zunächst ein grandioser Ausblick auf die Hügel im Norden, etwa wie auf den Fotos oben.
Jetzt dreht man sich nach links, bzw. Westen und freundet sich schon einmal mit dem Bild der Wetterstation an, das einen für längere Zeit nicht mehr verlassen wird.

Foto

Auf dem Weg von hier zum Gipfel hatte ich das Gefühl, dem Turm kein bisschen näher zu kommen. Was auf dem Foto wie ein entspannter Spaziergang ausschaut, bringt ganz schön ins Schwitzen.

Noch zu Zeiten Jean-Henri Fabres (siehe auch Orange ) galt der Ventoux als nackter oder rasierter Berg. Man hatte in der ganzen Provence für die Seeflotten der anciens régimes die Wälder gerodet und, wie üblich, schnell wachsende Bäume fremder Herkunft nachgepflanzt. Auch das immense Schotterfeld des Ventoux-Gipfels wurde erst nach der Rodung freigelegt. Heute sind die Hänge aufgeforstet und die einzelnen, übriggebliebenen Exemplare uralter Bäume werden gehätschelt. Das Schotterfeld wird aber wohl immer aus weiter Entfernung zu sehen sein.

Um den Gipfel herum und bis weit nach Osten hin bietet sich das Bild einer öden Mondlandschaft. Die steinige Fläche erinnert auch im Sommer vom Flachland aus an Schnee. Davon habe ich mich beim letzten Mal täuschen lassen: Der Gipfel war wirklich schneebedeckt.

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Auch an den farblich auf Kalkschotter abgestimmten Bau muss man sich wohl gewöhnen.

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Die beeindruckendste Sinneswahrnehmung auf dem Gipfel des Mont Ventoux kann ich nicht im Foto festhalten. Das ist der kräftige und auch im Sommer ausgesprochen kalte Wind. Wer in der Wärme aufbricht, wird sich zwangsläufig wundern. Man muss unbedingt winddichte Kleidung, einen Pullover und vielleicht ein T-Schirt zum Wechseln mitnehmen.
Dann kann man sich auch nach der Anstrengung noch im Cafee etwas Zeit lassen und die Aussicht länger genießen.

Der Rückweg über den Südhang zum Chalet Reynard geht zunächst nach Westen an der Kapelle St. Croix vorbei, dann über ein kurzes Stück ziemlich steil abwärts bis etwa zum sogenannten Batiment, einer steinernen Schutzhütte, die für Wanderer auch zum Übernachten taugt. Auch von dort aus, bis zum Chalet, ist dem Pfad leicht zu folgen.
Oben geht man noch über Schotter, dann durch lichtes Buschwerk, am Ende durch den Wald. Kurz vor dem Parkplatz trifft man zwangsläufig auf die Straße (vorsicht, Radfahrer von hinten). Verwickeln Sie die hinaufstrampelnden Helden nicht in lange Gespräche, aber sagen Sie Bonjour.

Blick vom Gipfel zur Kappelle St. Croix. Das ist die Richtung für den Rückweg.

Foto Foto

Beim Abstieg vom Gipfel kann ich zwei Hütten nicht sicher identifizieren. Für das Batiment ist diese hier zu gut in Schuss.

Wenn mein Text vielleicht zu trocken und krittelig wirkt, hier nochmal zur Klarstellung: Ich LIEBE diesen Mont Ventoux !
Außer den geschilderten, hält eine Tour am Mont Ventoux keine unerwarteten Ereignisse bereit. Darum eignet sie sich meiner Ansicht nach auch ganz besonders für einsame Alleinwanderer, solange man keine unnötigen Risiken eingeht. Es gibt hier genug zu sehen, zu hören, zu riechen und zu fühlen, um den Tag, ohne ein Wort der Unterhaltung, zu einem großen Ereignis zu machen.


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