Montmajour ist eine mittelalterliche
Benediktiner-Abtei. Man liest auch, es handele sich um die
Ruinen
dieser Abtei. Das ist teils richtig, teils falsch.
Zunächst einmal ist manches unvollständige Gemäuer,
das man im weitläufigen Gelände ausmacht, einfach niemals
fertiggestellt worden. Andererseits sind Restaurierungsarbeiten,
die Ende des neunzehnten Jahrhunderts begonnen wurden, bis heute
nicht abgeschlossen.
Nachdem die Benediktiner sie 1786 aufgegeben hatten, wurde die
Abtei, so wie viele andere Monumente in der Provence, als
Steinbruch behandelt.
Montmajour liegt 3 km von Arles entfernt... Für den Touristen hat diese
Angabe fast überhaupt keine Bedeutung, weil Arles die
flächenmäßig größte Gemeinde Frankreichs
ist. Jedenfalls fährt man Richtung St. Rémy. Das tut
man z.B. weil man zum Mittagessen nach Fontvieille fährt oder
um die Mühle von Daudet
zu sehen, oder weil man
unterwegs nach Les Baux ist, oder ins
Pays d'Aix oder in die Vaucluse.., oder weil man von dort
kommt, um Arles zu sehen.
Montmajour ist schön. Schön ruhig, schön
groß, man kann weit schauen und die Gebäude sind (fast)
perfekte Beispiele mittelalterlicher Baukunst. Die Apsis der
Kathedrale gibt den Experten auch heute noch Rätsel auf, weil
hier romanischer und gothischer Stil auf seltsame Weise vermischt
wurden. Einer der Avignon-Päpste begann sich einmal in die
Angelegenheiten des Klosters stärker einzumischen, als es gut
war. Die offenbar vorzeitig lustlosen Bauherrn schlossen den Bau
der Kirche rascher ab als vorgesehen, wodurch sie nun viel zu kurz
wirkt (oder im Vergleich zur Länge viel zu hoch).
Ein rundum wunderbarer Bau. Ideal zum Ausspannen, wie
überhaupt Montmajour im Ganzen eine beruhigende Wirkung auf
mich ausübt.
Man sollte von der Kirche aus unbedingt auch die Krypta besichtigen. Alle Räume in Montmajour wirken leer, aber vergleichsweise hell. Leider wird so etwas gerne zweckentfremdet. In der Apsis der Kirche standen beim letzten Mal unerklärliche Kunstwerke eines Bildhauers, der sich selbst weigert, sie zu deuten. Irgendwo im Kloster wurde auch eine Sammlung historischer Hochzeitsfotos aus China ausgestellt... Bitte nicht ignorieren, sondern mit einem Beitrag im ausliegenden Gästebuch reagieren. Danke.
Unterhalb der Klosteranlage steht die kleine Kapelle St. Croix-, allerdings eine Große unter den Kleinen. Die Kapelle wurde als Aufbewahrungsort für den Holzsplitter gedacht, der, angeblich vom Kreuze Christi stammend, bereits Montmajour zu einem stark frequentierten Wallfahrtsort gemacht hatte.
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Wie in der Klosteranlage befinden sich auch rund um St. Croix herum einige alte Steingräber. Jeder, der hier vorbeikommt, kommentiert die geringe Körpergröße der damals beerdigten. |
Die Bedeutung des Apsisknicks und die Lage der Fenster tragen dazu bei, dass hinter St. Croix mehr steckt, als das Auge auf Anhieb erfasst. Ich gehe darauf nicht weiter ein. Die Akkustik wird ebenfalls gerühmt.
Der Schlüssel zu St. Croix liegt an der Kasse von Montmajour. Er wird im Tausch gegen den Personalausweis ausgehändigt, wenn man das Innere der Kapelle sehen möchte.