
Die Gorges de la Nesque sind eine lange und gelegentlich recht tiefe Schlucht südlich des Mont Ventoux, deren interessanteste Partie sich zwischen Villes sur Auzon und Sault erstreckt.
Man erreicht Sault oder das 6 km südwestlich davon gelegene
Monieux über die D942, die Sault mit Carpentras verbindet. Die
Straße selbst folgt den Windungen der Schlucht. Zum Anhalten
lädt ein Aussichtspunkt ein (Belvédère von
Castelleras
). Darauf sollte man sich einlassen. Erstens ist
der Anblick wirklich famos, zweitens kann man während der
Fahrt die Augen nicht von der Straße nehmen. Die Kurven sind
nicht ohne. Dazu kommen zahlreiche Radfahrer, die diese Strecke
verständlicherweise lieben.
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Route départementale 942 |
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Für die Durchquerung der Schlucht zu Fuß bieten sich
verschiedene, auch verschieden lange Routen an. Keine davon
verdient den Namen Spaziergang
. Auch wenn man die tiefste
Stelle der Gorges nicht direkt von ihrem Rand aus ansteuert (das
sind ein paar hundert Höhenmeter), macht die Neigung des
absteigenden Pfades das ganze zu einem echten, nicht ganz
ungefährlichen Abenteuer.
Französische Wanderprofis oder solche, die die gedruckten Führer schreiben, scheinen ein entspanntes Verhältnis zum Tod zu haben. Anders kann ich mir die Diskrepanzen zwischen der Textbeschreibung einer Wanderroute und meinen Erfahrungen vor Ort nicht mehr erklären. Oder ich bin wirklich der allerletzte Warmduscher und Angsthase.
Mit dem Wegverlauf macht man sich am besten anhand
der Karte 3140ET (Mont Ventoux
) des IGN vertraut.
Früher ging auch die 3141OT, doch nach der nebenstehenden
Übersicht hat sich die Aufteilung vielleicht geändert.
Man sollte das erst sicherstellen.
Unterwegs hatte ich öfter keine Hand frei, um in die Karte zu
schauen. Eine Schlucht ist aber kaum dazu geeignet, sich darin zu
verlaufen.
In meinem Fall trägt die Verfasserin des Wanderführers
einen französischen Vornamen, ist aber im deutschen
Alpenverein aktiv. Vielleicht begegne ich ihr ja einmal, wenn sie
wieder deutsche Touris durch die Provence führt.., dann muss
ich ein ernstes Wort mit ihr reden. ;-) Ein Danke
oder zwei sind auch dabei...
Es beginnt damit, dass das Auto in Monieux abgestellt wird. Ich kenne die Strecke in die andere Richtung noch nicht und war noch nie in Villes sur Auzon. Im April hatte ich keine Schwierigkeiten, nahe am Ortsausgang von Monieux zu parken.
Man folgt anschließend dem GR9 in südwestliche
Richtung. Er steigt erst etwas an, führt dann aber
gemächlich zum Rand der Schlucht. Die weiß-roten
Markierungen waren im April 2004 alle sehr deutlich zu
erkennen.
Zunächst wird die D942 überquert, dann steigt man
endgültig in die Gorges ein. Dieser Punkt wird ca. 300 Meter
östlich vom Aussichtspunkt Castelleras
(siehe oben)
erreicht. Gleich dort zu parken, empfände ich aber als
rücksichtslos, weil der Platz während der Stunden der
Abwesenheit für mehrere Autos leicht zu eng wird. Monieux ist
also ein sehr guter Ausgangspunkt.
In ihrem Wanderführer erwähnt Madame sogar etwas von Treppen. Naja, Treppen, wie sie die Eiger-Nordwand hinaufführen... Bei anderen Wanderungen sind mir häufig Leute in Turnschuhen und Sandalen begegnet. Wer das in den Gorges de la Nesque versucht hat, wird uns fortan den Anblick ersparen... An vielen Stellen brauchte ich beide Hände, um mich beim Abstieg an den Felsen festzuhalten. Der Weg war zudem häufig seitlich abschüssig.
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Blick zurück zur Straße |
Das ist der Weg, ein heller Streifen, ca. 50 cm breit, immer gut zu erkennen, hin und wieder aber durch Felsenhaufen unterbrochen oder geradewegs auf Felsabbrüche hinlaufend. |
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So kann auch die kleinste Wegstrecke zu einer schönen, sportlichen Leistung werden.
In der Schlucht findet man gelegentlich richtige Bergsteiger, die mit Seil und Helm die Wand in der anderen Richtung und auf kürzestem Wege hinter sich bringen. Außerdem sind sehr sporadisch Wandergrüppchen unterwegs.
Auch, wenn es oft nicht den Anschein hat, folgt man weiter dem
Fernwanderweg GR9. Er führt am Fuß der Schlucht (am
theoretischen Aufschlagpunkt) direkt an der Kapelle St.-Michel
vorbei.
Der Name war bei den Erbauern von Kapellen in dieser Region so
beliebt, dass es zahlreiche kleine Andachtsstätten dieses
Namens gibt. Diese hier ist durch ihr Alter berühmt geworden.
Wahrscheinlich, weil es sonst keinen Grund gibt. Es lohnt sich
nicht, die Fotos des verwahrlosten Gebäudes zu zeigen.
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Der Wasserstand des Nesque ändert sich mit der Jahreszeit. Ende April 2004 konnte ich ihn leicht trockenen Fußes direkt bei der Kapelle überqueren. |
Auf der Südseite der Schlucht kann man, so wie ich, wieder aufsteigen. Oder man folgt dem Bachverlauf ein Stück in Richtung Westen und Nordwesten, um beim Aussichtspunkt wieder die Straße zu erreichen. Nach Monieux kommt man dann wieder von Südwesten erst über einen kleinen Weg, der schließlich wieder auf den GR9 trifft. Hier helfen Karte und Kompass.
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Der Wanderweg, von der anderen Seite aus gesehen. |
Der Mont Ventoux, vom südlichen Rand der Schlucht aus gesehen |
Weil ich einmal falsch abgebogen bin, habe ich statt dessen meine Tour am südlichen Rand der Schlucht erst nach Westen fortgesetzt. Von dort hat man immerhin schon den Ventoux schön im Blick. Die Landschaft ist aber nach der Erfahrung der Schlucht etwas eintönig und ich hätte es vorgezogen, dorthin zurückzukehren.
Für den Rückweg nach Monieux musste ich aber nicht mehr bis zum Grunde der Gorges absteigen, sondern konnte auf halber Höhe Wegweisern folgen. Es geht über einen angenehmen Weg und später auch wieder am Bach entlang. Bei einer Ausflugsgaststätte überquert noch einmal eine kleine Brücke den Nesque.