
Das Dorf Gordes gehört, ähnlich
wie die Villages perchées
des Luberon, zum Pflichtprogramm vieler
Provence-Touristen. Als Postkartenmotiv wohl ebenso bekannt
geworden, ist die Zisterzienserabtei Sénanque, eine
wunderschöne, alte Klosteranlage, die, anders als ihre
Schwestern Le Thoronet und Silvacane, seit 1988 auch wieder
Mönche beherbergt.
Gordes liegt ziemlich genau östlich von L'Isle sur la Sorgue. Im Auto ist man gezwungen, einen kleinen Umweg über Lagnes und Cabrières d'Avignon zu fahren, weil der bewaldete Ausläufer der Monts de Vaucluse zwischen Lagnes und Fontaine de Vaucluse die direkte Zugfahrt versperrt.
Gordes ist idealerweise der Ausgangspunkt für einen entspannten Vormittagsspaziergang zur Abtei Sénanque. Wer sich mehr anstrengen möchte, kann das Kloster auch nach einer etwa vierstündigen Wanderung von Fontaine de Vaucluse aus über den GR6/97 erreichen. Dabei bitte an den Rückweg denken... Hier gehört ein Link her. Ich habe diese Wanderung aber noch nicht gemacht.
Der Spaziergang, den ich beschreibe, ist nicht sehr lang. Er beginnt für den, der Gordes noch nicht kennt, mit dem überraschenden Anblick des Dorfes.
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Das Foto von Gordes sollte man schon auf der Anfahrt von Süden aus machen. An der Straße bietet sich rechts eine Haltebucht an. Auf der Rückfahrt liegt sie zu ungünstig in einer Kurve. |
Gordes wird an seinem fast höchsten Punkt von einem Rennaissance-Schloss geziert. Um das Auto abzustellen, passiert man dort den Schlossplatz und fährt noch etwas weiter die Straße (D15) hinauf. Links liegen Parkplätze. Im April konnte ich dort problemlos und völlig kostenlos parken, im September, -und wohl den ganzen Sommer über sind sie noch bewacht und nur gegen Gebühr billig zu benutzen.
Zu Fuß geht man auf der gleichen Straße wieder herunter. Am Schlossplatz vorbei und scharf nach rechts, in Richtung Nord-Nordwesten, folgt man weiter der Straße. Es kann sein, dass hier bereits der Fußweg nach Sénanque ausgeschildert ist. Jedenfalls macht die Straße irgendwann eine Linkskurve nach Westen, die rot-weißen Markierungen des GR6/97 aber weisen an, einen schmalen Weg bergauf zu erklimmen, der sich letztendlich wieder nach Nordwesten fortsetzt. Wahrscheinlich ist die Wanderkarte zur Orientierung besser geeignet, als meine Beschreibung. Man nimmt am besten die Karte 3142 OT aus der Série Bleu des IGN mit.
Der Wanderweg ist weniger steinig als
andere, auf denen ich in der Provence unterwegs war und bietet
außer herrlichen Ausblicken keine Überraschungen. Man
braucht trotzdem festes Schuhwerk, besonders auf dem letzten
Stück, das einen Abhang hinabführt.
Aber vorher, noch im Wald nördlich von Gordes, geht man
zeitweilig an einer langen Trockenmauer entlang und durch die
Sträucher zur Rechten kann man auch einmal eine
Steinhütte entdecken. Weder diese Hütten, noch die
Bezeichnung Borie
sind so alt, wie häufig behauptet
wird.
Irgendwann tritt man wieder aus dem Wald heraus und gelangt zur D177. Hier stehen ein paar brandneue Touristenvillen und ganz bestimmt die eine oder andere, frische Baustelle mit Kaufangebot. Irgendwann kann man vielleicht von Gordes nach Sénanque gehen, ohne dabei dem kleinsten Ungeziefer oder Unkraut, geschweige denn unasphaltierten Wegen ausgesetzt zu sein...
Unter Umständen und abhängig von der Tageszeit, bemerkt man an dieser Stelle, wo man den Schatten der Bäume hinter sich lässt, zum ersten Mal die sommerliche Hitze. An einem Aussichtspunkt neben der Straße ist eine gute Gelegenheit, kurz zu rasten und ausreichend zu trinken.
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Der Aussichtspunkt oberhalb von Sénanque ist einer der Höhepunkte des Spaziergangs, bevor man die Abtei im Tal erreicht. |
Eine Hand voll Mönche bewirtschaftet einige Felder um das Kloster herum. |
Ein paar Meter weiter entlang der Straße und man kommt zur
Abzweigung des Wanderweges, der nach links ins Tal hinabführt.
Hier beginnt also ein steileres Stück. Der Weg ist in der
Regel deutlich markiert, manchmal durch den Kalkschotter auch prima
zu erkennen. Weil es nur bergab geht, kann man sich sowieso nicht
richtig verlaufen. Ganz unten scheinen sich die Wanderer mit der
Zeit verschiedene Trampelpfade geschaffen zu haben. Alle
führen zur Abtei, allerdings sind manche Wege steiler als die
anderen. Im Zweifelsfall kann man die flachere Alternative
wählen.
Unten angekommen, begibt man sich zum Eingangstor der Abtei.
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In den Fotos ist der Hang zu sehen, über den ich hergekommen bin. Sénanque liegt auf dem Grund eines schönen Tals. |
Viele Touristen erreichen Sénanque mit dem Auto. Nach einem schönen Spaziergang, wie dem von Gordes aus, scheint aber nur noch diese Weise der Annäherung die einzig richtige zu sein. Wenn ich hier eines Tages zum ersten Mal aus dem Auto steige, werde ich mir dabei hoffentlich saudumm vorkommen...
Gleich hinter der Eingangspforte befindet sich rechts die
Tür zum Souvenierladen. Nicht wegen der Souveniers, sondern
wegen der hochinteressanten Führungen sollte man dort
unbedingt eintreten. Die Führungen beginnen etwa alle viertel
Stunde und sind wirklich prima. Man hat mir in Sénanque
gleichsam eine Grundausstattung an Wissen verpasst, mit der ich die
anderen romanischen Klöster der Provence viel leichter
begreifen konnte.., bestimmt verwechsele ich jetzt alles, aber es
gilt dennoch. Die Anlage ist wunderschön, prima gepflegt und
instand gehalten. Die Mönche sind auch zu sehen, vermeiden
aber iA. den Kontakt zu den Besuchern.
Bei den Führungen wird auf den Tagesablauf der Zisterzienser
geachtet und auch sonst präsentiert sich Sénanque nicht
bloß als architektonisches Meisterwerk, sondern vor allem als
lebendige Stätte des Glaubens.
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Den Zisterziensern waren beim Bau ihrer Klöster und Kirchen keine üppigen Dekorationen gestattet. |
Ich nehme aus dem Souvenierladen immer einen
Kräuterlikör mit. Der wird im Kloster hergestellt, aber
vor allem schmeckt er gut.
Dann geht es auf dem gleichen Weg zurück, auf dem man
hergekommen ist. Es könnte jetzt kurz vor Mittag und sehr
heiß sein. Dann hört man vom Aussichtspunkt an der
Straße über sich vielleicht deutsche Stimmen, die sagen
Na sowas, bei der Hitze kann man doch nicht wandern, das geht
nur ganz früh am Morgen...
. Während ich an den
Blechkarossen der Wanderprofis
vorbeimarschiere, sage ich
nur freundlich Grüss
Gott!
und verschwinde wieder im Wald...
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Im Hintergrund ist schon wieder der Luberon
zu sehen, davor das Rennaissance-Schloss von
Gordes. |
Je nach Zeitplanung kann man sich in Gordes ein Restaurant für das Mittagessen suchen. In der ersten Gaststätte beim Parkplatz wurde es leider nicht toleriert, dass ich nur etwas trinken wollte... Also, vielleicht lieber gleich genug Wasser und Proviant mitnehmen.