Startseite
 
France beyond:
Dentelles de Montmirail

Zur Crête de Saint-Amand
Dentelles Sarrasines

Die Dentelles de Montmirail sind ein aus mehreren Hügelketten bestehendes Bergmassiv im Westen des Mont Ventoux. Sie erstrecken sich von Vacqueyras aus etwa 10 km weit nach Nord-Osten hin. Zu den bekannteren Ortschaften an ihrem Rand gehören noch Gigondas, Beaumes-de-Venise und Sablet

Ihr Name beschreibt treffend den Anblick dieser Felsenlandschaft:

Nur für Fußgänger

Die Wanderungen in den Dentelles de Montmirail gehören zu meinen schönsten Erlebnissen in der Provence. Spektakuläre Geländemarken sind weit genug voneinander entfernt, um die Wanderungen lange spannend zu machen, aber auch wieder nicht zu weit, so dass man mehrere am selben Tag erreichen kann.

Den ersten Anreiz, hier herumzulaufen, gab mir das Buch Wanderungen in der Provence von Joëlle Kirch. Es ist leider nur noch aus zweiter Hand zu bekommen. Außerdem haben sich viele der dort beschriebenen Wanderstrecken während der vergangenen Jahre verändert. Das Buch besitzt aber nach wie vor literarischen Wert und seine allgemeinen Kapitel eignen sich auch heute noch gut zur Vorbereitung auf den Besuch der Provence. Hinterher ist es ein Genuss, sich durch Frau Kirchs hervorragenden Text zurück transportieren zu lassen, und die mitgebrachten Erinnerungen und Empfindungen aufzufrischen. Ich liebe das Buch!
In meiner nachfolgenden Beschreibung verwende ich vielleicht einige Formulierungen daraus, weil die Autorin es damit geschafft hat, mehr von dieser Landschaft zu vermitteln, als es alle meine Fotos zusammen könnten. Etwas an ihrem Werk ist einfach richtig geraten.

France beyond:
Karte (rechter Teil)

Es gibt verschiedene Ausgangspunkte für die Touren in den Dentelles. Wie die allermeisten Wanderer ziehe ich es mittlerweile vor, von Gigondas aus loszumarschieren. Der Ort wird von Süden (aus L'Isle sur la Sorgue kommend über Carpentras und Aubignan) über die D7 via Vacqueyras erreicht.

In den Dentelles herumlaufen

Provence Web:
Gigondas

Im Zentrum von Gigondas kann man prima parken und sich vor der Tour noch aktuelle Informationen zu den Wanderwegen und einer u.U. bestehenden Brandgefahr beim Fremdenverkehrsbüro abholen. Im Hochsommer kann es schonmal passieren, dass die Dentelles schlicht für Wanderer gesperrt sind. Das ist mir noch nicht passiert, ich war auch immer nur im Frühling oder Spätsommer dort.
In diesen Büros wurde ich immer hervorragend beraten. Unter anderem erhält auch der gänzlich unvorbereitete Spaziergänger bei Bedarf kostenlose Wegbeschreibungen mit zusätzlichen Informationen zu Landschaft, Vegetation und Geschichte. Aufgrund der in der Provence stark auftretenden Naturgewalten beschreiben diese stets aktuellen Broschüren die Wege häufig genauer als die Momentaufnahmen anderer Quellen. Ich nehme sie darum dankbar mit.

IGN-Karten 1:25 000

Um unterwegs angesichts verschiedenfarbiger Markierungen und gelegentlich seltsamer Wegverläufe jeden Zweifel auszuräumen, muss man in den Dentelles eine Karte dabei haben, am besten die 3040 ET aus der Série bleue des IGN. Die mehr oder weniger stetige Ausrichtung der Felsenreihen nach Nord-Osten macht einen Kompass vielleicht überflüssig. Beim Umgang mit der Wanderkarte habe ich ihn aber gerne zur Hand.

Meistens ist der Col du Cayron die erste Station nach Gigondas. Dort gibt es auch noch einen großen Parkplatz. Das nutzen vor allem Bergsteiger aus, darunter viele aus Deutschland, weil sie eine Menge Ausrüstung mitschleppen. Nur ist der Zufahrtsweg von Gigondas zum Col du Cayron nach starken Regenfällen in einem fürchterlichen Zustand. Ich werde das meinem Auto nicht mehr zumuten.
Viel schlimmer ist aber der Weg von Beaumes-de-Venise aus. Beim allerersten Mal kam ich von dort zum Col du Cayron, wobei mich etwa in der Mitte fast der Mut verlassen hat. Mein Rat: Ihr wollt doch sowieso zu Fuß gehen. Lasst die Kiste in Gigondas und gut is'.

Ich bin ziemlich sicher, dass man auch von Lafare aus (nord-östlich von Beaumes-de-Venise) gut zu Fuß in die Dentelles de Montmirail gelangt, habe das aber noch nicht ausprobiert.

Man muss übrigens nicht unbedingt zum Col du Cayron gehen. Es gibt eine alternative Strecke, auf der man bereits früher und mit weniger Anstrengung zum südlicher gelegenen Bergrücken der Dentelles Sarrasines aufsteigt. Ich kann die genaue Route nicht beschreiben, weil ich mehr oder weniger zufällig (irrtümlich) darauf gestoßen bin. Auch die Karte gibt dazu nichts her-, also im Fremdenverkehrsbüro nachfragen.

Foto

Ein gut markierter Weg führt von Gigondas in die Dentelles Sarrasines. Dieser Bergrücken liegt südlich vom Col du Cayron. Das Foto entstand früh am Morgen, als aufsteigender Dunst größere Höhe vorgaukelte.

Vom Col du Cayron zur Crête de Saint-Amand hoch

Ich kenne in den Dentelles de Montmirail zwei mögliche Wanderstrecken, die sich variieren lassen.
Die erste führt vom Col du Cayron aus nach Nord-Osten, wobei zuerst kaum Höhenmeter, -allenfalls bergab-, zurückgelegt werden. Danach ist die Idee, zum links gelegenen Bergkamm aufzusteigen. Oben mäandriert der Weg zwischen dem Nord- und dem Südhang des Berges hin und her bis das Gelände zur Crête de St. Amand hin erst einmal wieder abfällt.

Foto Foto

Dem Weg zum Bergkamm ist zunächst leicht zu folgen. Oben sollte man sich allerdings sklavisch an die nummerierten blauen Markierungspunkte halten.

Foto

Eine Art Sattel, der Pas de l'Aigle, ist eine Wegmarke am nord-östlichen Ende dieses Bergrückens. Weiter im Osten erhebt sich die Crête de Saint-Amand, mit 732m der höchste Gipfel der Dentelles.

Auf dem Weg über den Kamm genießt man zu beiden Seiten eine herrliche Aussicht.
Die Grande Montagne, zu der die Dentelles de Montmirail gehören, teilt die Provence in zwei Regionen mit unterschiedlichen Landschaftsformen. Die Gegensätze kennenzulernen, macht unter anderem den Reiz dieser Wanderung aus.

Foto Foto Foto

Auf dem mittleren und dem rechten Foto erkennt man schon die Mobilfunkantennen, die die Crête de Saint-Amand verschandeln.

Foto

Während man im Süden die schroffen Felsen der Dentelles Sarrasines bewundert, stellen sich dem Fernblick im Norden und Nord-Westen keine Hindernisse in den Weg.

Foto

Hat man den gesamten Kamm abgewandert, kann man nach dem Abstieg die Kurve nach rechts nehmen und durch das Tal wieder zurück zum Col du Cayron gehen. Auch dieser Rückweg ist nicht uninteressant, wegen des Anblicks der Felsenspitzen, die wie kleine Zähnchen oben aus den Bergrücken im Norden und Süden hervorragen. In den näher gelegenen Kletterfelsen hängen ständig ein par Bergsteiger an ihren Seilen.
Zum Col du Cayron hin steigt der Weg auch wieder stetig an. Am Ende der Tour wird die Ermüdung genau dort überraschend zuschlagen.

Wer allerdings noch mehr will, kann auch noch den steilen Hang zur Crête de Saint-Amand erklimmen. Das ist wirklich die sportlichste Variante der Wanderung. Oben wird man mit dem fabelhaften Ausblick auf die Dentelles de Montmirail belohnt.

Foto

Bei dieser Tour ging ich direkt vom Col du Cayron zur Crête de Saint-Amand um die größere Anstrengung an den Anfang zu stellen.

Foto

Oben auf dem Gipfel gab es leider kaum ein schattiges Plätzchen zum Rasten. Vor dem Gipfelkreuz sitzend hat man ständig die hässlichen Antennenmasten im Blick.

Foto Foto

Über die Dentelles Sarrasines hoch

Meinem Wunsch folgend, den Kalksteinplatten der Dentelles Sarrasines endlich einmal zum Anfassen nahe zu kommen, habe ich diese längere Tour zuletzt mit meiner Gattin unternommen.
Die Beschreibung der Route steht wieder bei Jean-Pierre Pomarel, dem örtlichen Wanderpapst aus L'Isle sur la Sorgue, in seinem prima Führer Mes 52 plus belles balades en Provence.

Irgendwie sind wir hinter Gigondas unbeabsichtigt abgebogen und direkt in die Hügel südlich des Col du Cayron eingestiegen. Der Weg war überall prima begehbar und markiert. Das erste Foto oben habe ich weit westlich des Rocher du Turc noch während des Aufstiegs zum Kamm gemacht.
M. Pomarel dagegen schlägt vor, von Gigondas über die Refuge Les Florets zum Col du Cayron zu gehen und dort gleich nach rechts abzubiegen. Es geht planmäßig ca. einen Kilometer nach Westen bis zu einer scharfen Linkskurve. Hier kann man einen Hügel nach Norden (rechts) hochsteigen bis zu einem Aussichtspunkt, von dem aus das Tal der Ouvèze im Westen überblickt wird. Nach dem Abstieg folgt man dann dem Pfad der nach Süden abbiegt und gelangt so erst in die Dentells Sarrasines.

Der Blick über das Tal nach Norden zur nächsten Felsenkette. Dort drüben wird, wie fast überall in den Dentelles, viel geklettert. Der Parkplatz des Col du Cayron liegt irgendwo vor uns im Tal.

Foto Foto

Morgendunst steigt in der westlichen Ebene auf.

Soweit die Theorie. Der Wanderweg ist die ganze Zeit über prima markiert, sogar besser, als man es manchmal glauben will: Nachdem wir schon ein Stück an den senkrechten Kalksteinfelsen entlangmarschiert sind, kamen wir an eine Stelle, die sogar der Wanderprofi als schwierige Kletterpartie beschreibt, im Nachsatz: soyez prudent. Sehen heißt Umkehren.
Doch sind die Franzosen nicht durch senkrechte Wände vom Spazierengehen abzuhalten. Die kühle Gelassenheit meiner Begleiterin hat mich lange genug ins Grübeln versetzt, um die Wand währenddessen zu erklimmen... Au Backe. Man weiß schon, dass ich mir zutraue, Gefahren einzuschätzen. Die Querung der Dentelles Sarrasines direkt östlich des Rocher du Turc ist für komplett Verrückte! Und doch führen die blauen Wegmarkierungen der einen Wanderroute dort über die Felsen nach Süden, die einer anderen in die entgegengesetzte Richtung (das kann ich mir erst recht nicht vorstellen). Der ganze Weg ist auch in der IGN-Karte so eingezeichnet-, na dann...

Foto

Ein Felsenparadies.

Foto Foto

Versucht das bloß nicht in Sandalen.

Ein Stück östlich der Stelle wo man zwischen den Steinen hervorkriecht, lässt sich gut rasten. Der längste Teil der Wanderung liegt noch vor uns, aber das schwierigste Stück ist definitiv geschafft.

Auf der nun sonnenbeschienenen Südseite des Bergkamms findet man einige interessante Plätze, zum Beispiel Löcher im Felsen, durch die man auf die Nordseite herüberschauen kann. Dazu kommt die Aussicht auf den weiter südlich gelegenen Grand Montmirail, -der in Wahrheit nur als kleiner Bruder der Dentelles Sarrasines durchgeht-, einen weiteren Bergrücken mit Kletterfelsen und auf die Terassenfelder im Tal.

Foto

Auf diesen Feldern gedeiht hauptsächlich der Wein, der die Gegend bekanntmacht

Foto

Die Dentelles werden auch als Vorgebirge des Mont Ventoux bezeichnet.

Der Pfad folgt der Felsenreihe bis fast zu ihrem Ende und biegt dann nach Süd-Osten ab. Eine alternative Strecke, die weiter über die Felsen zum Chambre du Turc, einem natürlich im Felsen gebildeten Unterstand führt, war auch mit Hilfe der Wanderkarte und der Wegbeschreibung nicht nachzuvollziehen.
Beim Hof Cassan trifft man auf den Weg, der in einem weiten Bogen zum Col du Cayron zurückführt. Damit wird auch im Tal noch einmal eine beträchtliche Strecke zurückgelegt!

Es sind also unbedingt genug Proviant und Wasser mitzunehmen. Die Anstrengung lohnt sich aber in jedem Fall.


Startseite

Valid XHTML 1.0!

Stand: 1. September 2008 (Dentelles ist textile Spitze)