
Zur Crête de
Saint-Amand
Dentelles Sarrasines
Die Dentelles de Montmirail
sind ein aus mehreren
Hügelketten bestehendes Bergmassiv im Westen des Mont Ventoux. Sie erstrecken sich von Vacqueyras
aus etwa 10 km weit nach Nord-Osten hin. Zu den bekannteren
Ortschaften an ihrem Rand gehören noch Gigondas,
Beaumes-de-Venise und Sablet
Ihr Name beschreibt treffend den Anblick dieser Felsenlandschaft:
Zähnchen(Wikipedia hat keine Ahnung, dort kann jeder irgendwas schreiben).
Die Wanderungen in den Dentelles de Montmirail gehören zu meinen schönsten Erlebnissen in der Provence. Spektakuläre Geländemarken sind weit genug voneinander entfernt, um die Wanderungen lange spannend zu machen, aber auch wieder nicht zu weit, so dass man mehrere am selben Tag erreichen kann.
Den ersten Anreiz, hier herumzulaufen, gab mir das Buch
Wanderungen in der Provence
von
Joëlle Kirch. Es ist
leider nur noch aus zweiter Hand zu bekommen. Außerdem haben
sich viele der dort beschriebenen Wanderstrecken während der
vergangenen Jahre verändert. Das Buch besitzt aber nach wie
vor literarischen Wert und seine allgemeinen Kapitel eignen sich
auch heute noch gut zur Vorbereitung auf den Besuch der Provence.
Hinterher ist es ein Genuss, sich durch Frau Kirchs hervorragenden
Text zurück transportieren zu lassen, und die mitgebrachten
Erinnerungen und Empfindungen aufzufrischen. Ich liebe das
Buch!
In meiner nachfolgenden Beschreibung verwende ich vielleicht einige
Formulierungen daraus, weil die Autorin es damit geschafft hat,
mehr von dieser Landschaft zu vermitteln, als es alle meine Fotos
zusammen könnten. Etwas an ihrem Werk ist einfach
richtig
geraten.
Es gibt verschiedene Ausgangspunkte für die Touren in den Dentelles. Wie die allermeisten Wanderer ziehe ich es mittlerweile vor, von Gigondas aus loszumarschieren. Der Ort wird von Süden (aus L'Isle sur la Sorgue kommend über Carpentras und Aubignan) über die D7 via Vacqueyras erreicht.
Im Zentrum von Gigondas kann man prima
parken und sich vor der Tour noch aktuelle Informationen zu den
Wanderwegen und einer u.U. bestehenden Brandgefahr beim
Fremdenverkehrsbüro abholen. Im Hochsommer kann es schonmal
passieren, dass die Dentelles schlicht für Wanderer gesperrt
sind. Das ist mir noch nicht passiert, ich war auch immer nur im
Frühling oder Spätsommer dort.
In diesen Büros wurde ich immer hervorragend beraten. Unter
anderem erhält auch der gänzlich unvorbereitete
Spaziergänger bei Bedarf kostenlose Wegbeschreibungen mit
zusätzlichen Informationen zu Landschaft, Vegetation und
Geschichte. Aufgrund der in der Provence stark auftretenden
Naturgewalten beschreiben diese stets aktuellen Broschüren die
Wege häufig genauer als die Momentaufnahmen anderer Quellen.
Ich nehme sie darum dankbar mit.
Um unterwegs angesichts verschiedenfarbiger Markierungen und gelegentlich seltsamer Wegverläufe jeden Zweifel auszuräumen, muss man in den Dentelles eine Karte dabei haben, am besten die 3040 ET aus der Série bleue des IGN. Die mehr oder weniger stetige Ausrichtung der Felsenreihen nach Nord-Osten macht einen Kompass vielleicht überflüssig. Beim Umgang mit der Wanderkarte habe ich ihn aber gerne zur Hand.
Meistens ist der Col du Cayron die erste Station nach Gigondas.
Dort gibt es auch noch einen großen Parkplatz. Das nutzen vor
allem Bergsteiger aus, darunter viele aus Deutschland, weil sie
eine Menge Ausrüstung mitschleppen. Nur ist der Zufahrtsweg
von Gigondas zum Col du Cayron nach starken Regenfällen in
einem fürchterlichen Zustand. Ich werde das meinem Auto nicht
mehr zumuten.
Viel schlimmer ist aber der Weg von Beaumes-de-Venise aus. Beim
allerersten Mal kam ich von dort zum Col du Cayron, wobei mich etwa
in der Mitte fast der Mut verlassen hat. Mein Rat: Ihr wollt doch
sowieso zu Fuß gehen. Lasst die Kiste in Gigondas und gut
is'.
Ich bin ziemlich sicher, dass man auch von Lafare aus (nord-östlich von Beaumes-de-Venise) gut zu Fuß in die Dentelles de Montmirail gelangt, habe das aber noch nicht ausprobiert.
Man muss übrigens nicht unbedingt zum Col du Cayron gehen.
Es gibt eine alternative Strecke, auf der man bereits früher
und mit weniger Anstrengung zum südlicher gelegenen
Bergrücken der Dentelles Sarrasines
aufsteigt. Ich kann
die genaue Route nicht beschreiben, weil ich mehr oder weniger
zufällig (irrtümlich) darauf gestoßen bin. Auch die
Karte gibt dazu nichts her-, also im Fremdenverkehrsbüro
nachfragen.

Ich kenne in den Dentelles de Montmirail zwei mögliche
Wanderstrecken, die sich variieren lassen.
Die erste führt vom Col du Cayron aus nach Nord-Osten, wobei
zuerst kaum Höhenmeter, -allenfalls bergab-, zurückgelegt
werden. Danach ist die Idee, zum links gelegenen Bergkamm
aufzusteigen. Oben mäandriert der Weg zwischen dem Nord- und
dem Südhang des Berges hin und her bis das Gelände zur
Crête de St. Amand hin erst einmal wieder abfällt.
|
Dem Weg zum Bergkamm ist zunächst leicht zu folgen. Oben sollte man sich allerdings sklavisch an die nummerierten blauen Markierungspunkte halten. |
Eine Art Sattel, der Pas de l'Aigle
, ist eine
Wegmarke am nord-östlichen Ende dieses Bergrückens.
Weiter im Osten erhebt sich die Crête de Saint-Amand, mit
732m der höchste Gipfel der Dentelles.
Auf dem Weg über den Kamm genießt man zu beiden
Seiten eine herrliche Aussicht.
Die Grande Montagne
, zu der die Dentelles de Montmirail
gehören, teilt die Provence in zwei Regionen mit
unterschiedlichen Landschaftsformen. Die Gegensätze
kennenzulernen, macht unter anderem den Reiz dieser Wanderung
aus.
|
|
Auf dem mittleren und dem rechten Foto erkennt man schon die Mobilfunkantennen, die die Crête de Saint-Amand verschandeln. |
|
Während man im Süden die schroffen Felsen der Dentelles Sarrasines bewundert, stellen sich dem Fernblick im Norden und Nord-Westen keine Hindernisse in den Weg. |
Hat man den gesamten Kamm abgewandert, kann man nach dem Abstieg
die Kurve nach rechts nehmen und durch das Tal wieder zurück
zum Col du Cayron gehen. Auch dieser Rückweg ist nicht
uninteressant, wegen des Anblicks der Felsenspitzen, die wie kleine
Zähnchen oben aus den Bergrücken im Norden und Süden
hervorragen. In den näher gelegenen Kletterfelsen hängen
ständig ein par Bergsteiger an ihren Seilen.
Zum Col du Cayron hin steigt der Weg auch wieder stetig an. Am Ende
der Tour wird die Ermüdung genau dort überraschend
zuschlagen.
Wer allerdings noch mehr will, kann auch noch den steilen Hang zur Crête de Saint-Amand erklimmen. Das ist wirklich die sportlichste Variante der Wanderung. Oben wird man mit dem fabelhaften Ausblick auf die Dentelles de Montmirail belohnt.
|
Bei dieser Tour ging ich direkt vom Col du Cayron zur Crête de Saint-Amand um die größere Anstrengung an den Anfang zu stellen. |
|
Oben auf dem Gipfel gab es leider kaum ein schattiges Plätzchen zum Rasten. Vor dem Gipfelkreuz sitzend hat man ständig die hässlichen Antennenmasten im Blick. |

Meinem Wunsch folgend, den Kalksteinplatten der Dentelles
Sarrasines endlich einmal zum Anfassen nahe zu kommen, habe ich
diese längere Tour zuletzt mit meiner Gattin
unternommen.
Die Beschreibung der Route steht wieder bei Jean-Pierre Pomarel,
dem örtlichen Wanderpapst aus L'Isle sur la Sorgue, in
seinem prima Führer Mes 52 plus belles balades en
Provence
.
Irgendwie sind wir hinter Gigondas unbeabsichtigt abgebogen und
direkt in die Hügel südlich des Col du Cayron
eingestiegen. Der Weg war überall prima begehbar und markiert.
Das erste Foto oben habe ich weit westlich
des Rocher du Turc
noch während des Aufstiegs zum Kamm
gemacht.
M. Pomarel dagegen schlägt vor, von Gigondas über die
Refuge Les Florets
zum Col du Cayron zu gehen und dort
gleich nach rechts abzubiegen. Es geht planmäßig ca.
einen Kilometer nach Westen bis zu einer scharfen Linkskurve. Hier
kann man einen Hügel nach Norden (rechts) hochsteigen bis zu
einem Aussichtspunkt, von dem aus das Tal der Ouvèze im
Westen überblickt wird. Nach dem Abstieg folgt man dann dem
Pfad der nach Süden abbiegt und gelangt so erst in die
Dentells Sarrasines.
Soweit die Theorie. Der Wanderweg ist die ganze Zeit über
prima markiert, sogar besser, als man es manchmal glauben will:
Nachdem wir schon ein Stück an den senkrechten Kalksteinfelsen
entlangmarschiert sind, kamen wir an eine Stelle, die sogar der
Wanderprofi als schwierige Kletterpartie beschreibt, im Nachsatz:
soyez prudent
. Sehen heißt Umkehren.
Doch sind die Franzosen nicht durch senkrechte Wände vom
Spazierengehen abzuhalten. Die kühle Gelassenheit meiner
Begleiterin hat mich lange genug ins Grübeln versetzt, um die
Wand währenddessen zu erklimmen... Au Backe. Man weiß
schon, dass ich mir zutraue, Gefahren einzuschätzen. Die
Querung der Dentelles Sarrasines direkt östlich des Rocher du
Turc ist für komplett Verrückte! Und doch führen die
blauen Wegmarkierungen der einen Wanderroute dort über die
Felsen nach Süden, die einer anderen in die entgegengesetzte
Richtung (das kann ich mir erst recht nicht vorstellen). Der ganze
Weg ist auch in der IGN-Karte so eingezeichnet-, na dann...
|
|
Ein Felsenparadies. |
|
Versucht das bloß nicht in Sandalen. |
Ein Stück östlich der Stelle wo man zwischen den Steinen hervorkriecht, lässt sich gut rasten. Der längste Teil der Wanderung liegt noch vor uns, aber das schwierigste Stück ist definitiv geschafft.
Auf der nun sonnenbeschienenen Südseite des Bergkamms
findet man einige interessante Plätze, zum Beispiel
Löcher im Felsen, durch die man auf die Nordseite
herüberschauen kann. Dazu kommt die Aussicht auf den weiter
südlich gelegenen Grand Montmirail
, -der in Wahrheit
nur als kleiner Bruder der Dentelles Sarrasines durchgeht-, einen
weiteren Bergrücken mit Kletterfelsen und auf die
Terassenfelder im Tal.
|
Auf diesen Feldern gedeiht hauptsächlich der Wein, der die Gegend bekanntmacht |
Die Dentelles werden auch als Vorgebirge des Mont Ventoux bezeichnet. |
Der Pfad folgt der Felsenreihe bis fast zu ihrem Ende und biegt
dann nach Süd-Osten ab. Eine alternative Strecke, die weiter
über die Felsen zum Chambre du Turc
, einem
natürlich im Felsen gebildeten Unterstand führt, war auch
mit Hilfe der Wanderkarte und der Wegbeschreibung nicht
nachzuvollziehen.
Beim Hof Cassan trifft man auf den Weg, der in einem weiten Bogen
zum Col du Cayron zurückführt. Damit wird auch im Tal
noch einmal eine beträchtliche Strecke zurückgelegt!
Es sind also unbedingt genug Proviant und Wasser mitzunehmen. Die Anstrengung lohnt sich aber in jedem Fall.
| Stand: 1. September 2008 (Dentelles ist textile Spitze) |