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Arles

Arles ist die flächenmäßig größte Gemeinde Frankreichs. Für den Touristen ist die Stadt selbst interessant, weil einige verhältnismäßig gut erhaltene römische Ruinen den Kern der Altstadt zieren.

Was zieht einen nach Arles?

Die römischen Ruinen habe ich leider gesehen. Ich benötige also seit 1995 einen anderen Grund, herzukommen. Entscheidend ist die Lage der Stadt, an der Oberkante der Camargue.
Je nachdem, wie wichtig einem die Besuche in der sumpfigen Steppe, mit ihren Manades, den verschiedenen Vogelarten und natürlich den Stränden des Mittelmeers sind, liegt ein Hotel in Arles strategisch günstig zwischen der Camargue und anderen interessanten Stätten. Tarascon (Seite auf Provence Web ), Avignon und Orange sind über direkte Straßen zu erreichen, die Abtei Montmajour, Fontvieille, St. Rémy und Les Baux liegen im Nord-Osten praktisch vor der Haustür.

Richtiges Wandern (zu Fuß) lohnt sich in der Gegend von Arles nicht, soweit ich das überblicke. Für Pferdeliebhaber sieht das in der Camargue natürlich ganz anders aus; ich verbreite Binsenweisheiten.

Kein Höhepunkt

Ich bin kein Journalist und darum nicht zur neutralen Berichterstattung verpflichtet. Der Zustand der römischen Bauwerke in der Provence ist überwiegend deprimierend. Nicht überall ist das auf Verwahrlosung zurückzuführen. Meistens ist der saure Regen so deutlich für den Verfall verantwortlich, dass ich in Betrachtung der erodierten Mauern und unkenntlichen Gesichter vieler Statuen von einem beklemmenden Gefühl befallen werde.
In Arles (wie auch in Nîmes) trägt aber der geschäftsmäßige Umgang der Stadt mit diesen Baudenkmälern dazu bei, dass ich mich heute von ihnen fernhalte.

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Einfach so rumstehen und kosten... das kommt für ein Theater, gleich welcher Epoche, nicht in Frage. Einverstanden. Aber so?.. (Fotos von 1995)

Die mittelalterlichen Kirchen und Klöster lassen sich dagegen meistens nicht so einfach zu spektakulären (und lukrativen) Events vermurksen. Darum besuche ich sehr gerne die Klosterkirche St. Trophime und das angeschlossene Kloster.

Schönere Fotos auf Romanes.com:
St. Trophime

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1995 fand in Arles der 38ème Salon International des Santonniers statt. Aus diesem Anlass wurde neben der Kirche ein naturgetreues Camarguehaus aufgestellt... Auch mir erschließt sich der Zusammenhang nicht.

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Die Gräberstraße Les Alyscamps war bis zum Bau der Eisenbahn im 19. Jahrundert mindestens noch doppelt so lang wie heute. Dort standen mehrere tausend Sarkophage in mehreren parallelen Reihen. Frühchristliche heilige Bischöfe wurden hier begraben. Was nicht gestohlen wurde und den Aufwand lohnte, hat man in die Museen verbracht.

Die Museen von Arles sind sicherlich einen Besuch wert, besonders das Musée d'éthnographie provençale (Museon Arlaten). Hier sieht man die geballte provençalische Folklore und auch das Innere eines ursprünglichen Camargue-Hauses, wie das auf dem Foto, oben.

Wo ist Van Gogh?
Nachdem der berühmte Maler von der aufgebrachten Bourgeoisie aus der Stadt verjagt worden war, besitzt Arles offiziell kein einziges seiner Gemälde.

Die Stadt Arles hat noch mehr zu bieten. In der römischen Arena werden jedes Jahr in der Stierkampfsaison (Feria) Stiere zweier unterschiedlicher Rassen auf harmlose Torreros losgelassen. Die einen werden ausschließlich für die Course Camarguaise gezüchtet, bei der das Tier nicht getötet wird. Ein solcher Stier macht regelrecht Karriere und tritt im Alter in den Ruhestand. Die anderen werden zu mehreren pro Abend in der blutigen Corrida unter dem Beifall des johlenden Publikums zu Tode gefoltert.
Ich bin noch nicht fertig...

Ich mag die Rhône. Ihre Flußufer in Arles könnten so schön sein, doch kümmert man sich nicht um Möglichkeiten, von denen auch der Tourismus profitieren könnte. Die Ufer und der Fluss sind gleichermaßen vernachlässigt. Trotzdem sollte man sich die Bedeutung, die der Strom besonders in der Vergangenheit hatte, einmal bewusst machen, während man ihn zu Fuß auf dem Pont de Trinquetaille überquert. Eigentlich müsste es auch der Rhône heißen.

Warum ich mich nur noch kurz in Arles aufhalte

Arles ist schmutzig und verwahrlost. Auf dem Gräberfeld Les Alyscamps stand 1995 die absolut verdreckteste Toilette, die ich jemals gesehen habe. Vergesst Train Spotting-, Ihr wisst gar nichts.
2004 sah ich auf der Rhône den Ölteppich meines Lebens, ignoriert vom Rest der Welt. Ich verstehe das Verhältnis der Bewohner zu ihrer Stadt nicht und fühle mich dort nicht mehr wohl. Man kann nicht Urlaub machen, wo man ständig ablehnt, was einem begegnet.

Auch in Nürnberg liegt der Müll auf der Straße. Aber wir leugnen das wenigstens.

Wenn es aber sein soll...

Der Stadtteil Trinquetaille unterscheidet sich sympathisch vom alten Arles auf dem linken Rhône-Ufer. Einer meiner Lieblingsplätze ist der Rest der Eisenbahnbrücke, von der nur noch die Löwen auf ihren Säulen beiderseits des Flusses zeugen. Die Gleise gibt es noch. Dort fliegen abends haufenweise Fledermäuse umher... der Friedhof ist auch nicht weit, hat aber damit jetzt gar nichts zu tun. Man sieht die beleuchtete Oberkannte der Arena im anderen Teil der Stadt so undeutlich, dass es nicht stört.

Außerdem steht hier das prima Hotel Mireille von Madame (Mireille) Jacquemin.
Madame und ihr Team rackern hart dafür, dass die Gäste sich wohlfühlen. Für Freunde der Haute Cuisine stellt besonders ihr gediegenes Restaurant La Provence ein starkes Argument dar, sich doch gleich dort einzuquartieren. Mein Französisch ist schlecht, aber ich habe es durchgestanden und bin nicht darauf verfallen, mich in Englisch verständigen zu wollen. Englisch kann aber als die zweite Sprache des Mireille angesehen werden. Darum ist das Hotel offenbar auch bei Angelsachsen recht beliebt. Dass sich das Mireille auf dem anderen Ufer der Rhône befindet, macht für mich einen beträchtlichen Teil seines Reizes aus, der Swimming-Pool im Garten dagegen weniger.


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